Harald Werner - Alles was links ist
 

Im Krieg stirbt als erstes die Wahrheit

Kriege mit einer Lüge zu beginnen hat Tradition. Man muss da nicht nur an den von der SS fingierten Angriff auf den Sender Gleiwitz denken, mit dem der 2. Weltkrieg begann. Völlig vergessen auch, wie der Krieg der USA gegen Nordvietnam begann?  Am 4. August 1964 lief der amerikanische Zerstörer "Maddox" östlich der nordvietnamesischen Hafenstadt Haiphong in den Golf von Tonkin ein. Angeblich wurde der Zerstörer dabei von nordvietnamesischen Schnellboten mit Torpedos angegriffen Der damalige US-Präsident Lyndon B. Johnson klagte pathetisch  "im Golf von Tonkin treiben unsere Jungs im Wasser" und ordnete  "Vergeltung" an. In den 1980er Jahren deckten Historiker auf, dass niemand die „Maddox“ vor Nordvietnam angriffen hatte und auch keine US-Jungs im Wasser trieben.[1]  

Das Einzige was wir über das aktuelle Kampfgeschehen in Syrien wissen, ist dass es in einer von Rebellen gehaltenen syrischen Stadt einen mörderischen Giftgaseinsatz gegeben hat und Trump darauf den Befehl zur Bombardierung eines syrischen Militärstützpunktes mit 59 Marschflugkörpern gegeben hat. Was übrigens ebenso gegen das Völkerrecht verstößt, wie die der Einsatz von Giftgas.

Was wir allerdings wissen, ist dass der IS in den letzten Monaten von einer Niederlage zur nächsten taumelt und die Syrischen Truppen gewaltige Landgewinne verbuchen konnten. Warum dann noch Giftgas einsetzen – wohl wissend, wie die Weltöffentlichkeit darauf reagieren wird. Und hatte Trump nicht wenige Tage vorher gegenüber dem Wall Street Journal erklärt, ein Rücktritt des syrischen Staatschefs Assad sei keine obligatorische Bedingung mehr für eine friedliche Regelung der Syrien-Krise? Warum sollte Assad, der sich über diese Aussage sicher gefreut hat, in dieser Situation Giftgas einsetzen? Und damit nicht genug, beriet zur gleichen Zeit eine Geberkonferenz darüber, welche Mittel Syrien für den Wiederaufbau bekommen müsste. Fragt man also nach den Vorteilen eines solchen Giftgaseinsatzes, fällt einem niemand anderes als der IS ein, der nicht nur immer mehr in militärische Bedrängnis gekommen ist, sondern als Terrorband vor keinem Verbrechen zurückschreckt – erst recht nicht gegenüber Zivilisten.  Sicher, in dieser Hinsicht ist auch Assad nicht zimperlich – aber er ist bei weitem nicht so dumm, diesen unberechenbaren Trump zu provozieren und alles aufs Spiel  zu setzen,  was er in den letzten Monaten an militärischen und diplomatischen Erfolgen verbuchten konnte.

Harald Werner 13. April 2017