Harald Werner - Alles was links ist
 

 Der Hintergrund der Russland Connection

 Bis heute fehlen eindeutige Informationen darüber, wie und auf welche Weise russische Hacker in den US-amerikanischen Wahlkampf eingegriffen oder sogar seinen Ausgang beeinflusst haben sollen. Dass es weniger um Trumps angebliche Sympathie für Russland geht, sondern um geostrategische Differenzen zwischen verschiedenen US-amerikanischen Kapitalfraktionen, lässt sich leicht in einer frühen Wahlkampfrede Trumps erkennen. Am 27. April 2016 hielt Donald Trump im Mayflower-Hotel in Washington eine außenpolitische Grundsatzrede, die radikal mit der bisherigen Außenpolitik der USA brach.[1] Der Präsidentschaftskandidat propagierte eine „neue außenpolitische Richtung“, in der die „Ziellosigkeit durch Zweckgerichtetheit, Ideologie durch Strategie und Chaos durch Frieden“ ersetzt werden sollte. Scharf kritisierte er vor allem die Versuche des Regime-Change, das in endlose Kriege geführt habe. „Das alles“, so Trump, begann mit der gefährlichen Idee, wir könnten aus Ländern westliche Demokratien machen, die weder Erfahrungen damit hatten noch daran interessiert waren, westliche Demokratien zu werden.“ Hinzu kam die erst später laut gewordene Forderung, die NATO aufzulösen.

 

Es war natürlich absehbar, dass Russland an diesem Richtungswechsel Gefallen fand. Absehbar aber war auch, dass ein solch radikaler Kurswechsel ebenso radikale Nachteile für die amerikanische Außen- und Wirtschaftspolitik nach sich ziehen würde. Einerseits für die größten Rüstungskonzerne der Welt und andererseits für die Globalisierungsgewinner des US-Kapitals, nämlich Internetkonzerne und Finanzinstitute. Der Immobilienmilliardär Trump hatte sich schlicht verrechnet. Seine Kumpane unter den Immobilienspekulanten und die in Abwicklung befindliche Kohleindustrie waren mickrige Zwerge gegenüber den Internet- und Finanzriesen.   

Harald Werner 16. Juni 2017        

 


[1] Vergl. Erhard Crome, Die USA und die Dilemmata der deutschen „Atlantiker“ in rote blätter 3, S. 20ff