Harald Werner - Alles was links ist
 

Mehr politische Bildung wagen

Gibt es in den BO-Sitzungen keine qualifizierten Informationen und Debatten über das was momentan die Welt bewegt, werden solche Sitzungen nicht nur langweilig, sondern gehen auch an den Interessen derjenigen vorbei, die nur deshalb Mitglied wurden, weil sie einen Ort zur Diskussion der „großen Politik“ suchten. Und was noch problematischer ist: Die politisch unterschiedlichen Positionen werden dann nicht mehr an den großen Fragen ausgetragen, sondern an Formalien und persönlichen Animositäten. Ist es erst so weit gekommen, helfen auch keine Schlichtungsgespräche mehr, sondern nur eine kritische Betrachtung der eigenen Praxis.

 

Das Erste und wichtigste ist natürlich das politische Engagement in der Öffentlichkeit. Wer in der Politik etwas bewegen will, dem müssen auch Bewegungsmöglichkeiten angeboten werden. Infostände sind da in der Regel nicht das beste Angebot. Wichtiger ist sie mit Kampagnen zu verbinden, die durch spektakuläre und kreative Inszenierungen politisch interessierte Menschen anziehen, zu Gesprächen anregen und hervorragende Chancen eröffnen, das eigene Wissen anzuwenden und dabei auch selbst dazuzulernen. Und das ist der zweite wichtige Punkt:  Es muss in Basisgruppensitzungen – und natürlich auch darüber hinaus – mehr gelernt werden.

 

Es gibt in der LINKEN ein ziemlich großes Lernbedürfnis. Und obwohl die Partei ein recht gutes Angebot für Seminare hat, reicht es bei mehr als 60.000 Mitgliedern nicht wirklich aus. Es ist auch ziemlich fragwürdig, Bildungsarbeit vor allem auf Bildungsveranstaltungen zu begrenzen. Politische Bildung muss zu einem wichtigen Bestandteil der Basisorganisationen werden. Einmal schon deshalb, weil hier der größte Teil aktiver Mitglieder erreicht wird und zum anderen, weil hier ein kontinuierlicher, mit den gleichen Leuten geteilter Lernprozess stattfinden kann.

 

Erstrebenswert wäre, dass jede BO-Sitzung ein aktuelles politisches Thema nicht nur referiert, sondern auch als Lerngegenstand behandelt wird. Man muss sich dafür zum Beispiel Lernziele überlegen, Fragen vorbereiten, wo möglich Präsentationen einsetzen und vor allem überlegen, wie nicht nur die bereits qualifizierten Genossinnen und Genossen einen Lernbaustein entwickeln und vermitteln, sondern dass dies nach und nach möglichst viele Mitglieder der BO beherrschen. Zu überlegen ist auch wie man mit dem Thema in die Öffentlichkeit gehen kann. Etwa durch eine öffentliche Veranstaltung mit qualifizierten Gästen oder durch Flugblätter, mit Beiträgen auf der eignen Homepage oder in den sozialen Netzen. Schließlich sollte ein altes Lernmedium nicht zu kurz kommen, nämlich das politische Buch. Es gibt kein Thema, für das es keine aktuellen Veröffentlichungen gibt. Wenn sich schon die ReferentInnen auf die eine oder andere Veröffentlichung stützen, sollte diese auch in der Sitzung selbst angeboten werden.   


Harald Werner 28.4.2018